Die jüngsten, noch nicht aufgeklärten, Ticketing-Betrug Vorfälle im Louvre und im Schloss Versailles sind keine Ausnahmen. Auch rund um das Kolosseum wurden automatisierte Ticketkäufe durch Bots und künstliche Verknappung bekannt. Am Taj Mahal oder bei der Freiheitsstatue tauchten irreführende Drittplattformen auf, die Tickets in quasi-offizieller Anmutung zu überhöhten Preisen vermarkteten.
Ticket-Betrug wird in der Öffentlichkeit als Kontrollversagen gelesen. Bereits ein einzelner Vorfall kann mediale Aufmerksamkeit, politische Nachfragen und Vertrauensverluste auslösen.
Aus diesem Grund beschäftigen wir uns im aktuellen Beitrag der „Visitor Relations“ mit dem Risiko von Ticket-Betrug und kommen zu dem Schluss, dass Risiko erst durch das nahtlos aufeinander abgestimmte Zusammenspiel aus organisatorischen sowie operativen Maßnahmen und Technik reduziert werden kann – Resilienz entsteht an Schnittstellen.
Ticketing-Betrug: Symptom von Prozesslücken
Die Methoden unterscheiden sich, das Muster ist gleich: Verwundbar wird das Gesamtsystem aus Technik, Mensch und Abläufen, wo Technik, Zuständigkeiten und operative Praxis nicht nahtlos ineinandergreifen.
Hinzu kommt eine weniger sichtbare Schwachstelle: Systeme, die internen Nutzer*innen ohne operative Notwendigkeit zu weitreichende Eingriffe erlauben, ohne revisionssichere Dokumentation zu generieren und keine klaren Freigaben einfordern, steigern das strukturelle Risiko.
Mehr als Eintritt-Tickets: Führungen und Vermittlungsformate
Die potenzielle Verwundbarkeit und das Einfallstor für Ticket-Betrug beschränkt sich nicht auf Einlasstickets. Besonders sensibel sind Führungen, Gruppenangebote, Lizenzangebote oder exklusive Besuchszeitfenster. Hier treffen limitierte Kontingente, höhere Preise und separate Abrechnungslogiken und externe Akteure aufeinander. Während ein Standardticket primär Zugang steuert, repräsentieren Führungen zusätzlich die inhaltliche Kompetenz der Institutionen.
Das Risikopotential wird deshalb nicht per se durch den Einsatz eines Ticketingsystems bestimmt, sondern erwächst aus der Summe unterschiedlicher Bausteine wie Prozesse, Schnittstellen und Verantwortlichkeiten, Kontrollmechanismen und Angebotsarchitektur. Für Leitung und Träger ist das weniger eine IT- als eine Governance-Herausforderung.
Klare Rollen, revisionssichere Dokumentation und überprüfbare Kontrollmechanismen sind zentrale Elemente struktureller Resilienz. Entscheidend ist nicht nur, wer zuständig ist, sondern ob die Summe der Maßnahmen Eingriffe begrenzen.
Wo Systeme und Prozesse anfällig werden
Nach unserer Einschätzung sind typische Risikofaktoren:
Operative Überlastung
- Hohe Besucherzahlen bei zeitkritischer Einlassabwicklung
- Begrenzte Kontrollressourcen
Systemische Komplexität
- Von Ausnahmen geprägte Preis- und Gruppenmodelle
- Drittvertrieb und externe Plattformen
- Führungen und Sonderformate mit separaten Logiken
- Mehrere parallel genutzte Buchungs- und Verwaltungssysteme
Digitale und organisatorische Schwachstellen
- Zu weit gefasste Rollen- und Rechtekonzepte
- Änderungen ohne Gegenkontrolle und Dokumentation
- automatisierte Kaufprozesse, auch an Schnittstellen
- Irreführende Drittplattformen als Trittbrettfahrer
- Unzureichende Validierungsmechanismen
Resilienz entsteht an Schnittstellen
Resilienz gegen Betrugsversuche entsteht nicht durch neue Tools oder isolierte juristische Gutachten, sondern durch die fundierte Analyse der betrieblichen Prozesslandschaften.
Die Beantwortung der folgenden Fragen kann dabei helfen, die technische Infrastruktur, Verantwortlichkeiten und operative Praxis zu synchronisieren:
- Wie greifen Einlass- und Buchungssysteme ineinander?
- Welche Dokumentationspflichten gibt es?
- Wo entstehen Insider-Risiken bei Software-Verwaltung oder Sonderfreigaben?
- Sind Manipulationen technisch erschwert – oder nur organisatorisch untersagt?
- Welche Schwachstellen ergeben sich aus Drittvertrieb und Gruppenbuchungen?
Dabei steigert jede geschlossene Lücke die Resilienz!
Risiko Check Ticket-Betrug
Für vertiefende Maßnahmen empfehlen wir unseren Risiko Check gegen Ticket-Betrug, der durch diese Maßnahmen bereits innerhalb weniger Wochen Transparenz schafft:
- Identifikation struktureller Risiken
- Analyse von Rollen- und Verantwortungsstrukturen
- Bewertung von Eintrittswahrscheinlichkeit und Steuerbarkeit
- Aktionsplan: Definition und Priorisierung praxisnaher Maßnahmen
Das Ergebnis ist keine abstrakte Bewertung, sondern eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Leitung und Träger. Gerade in stärker frequentierten Institutionen zeigt sich: Sicherheit entsteht durch Detailverständnis von Konfigurationen, Prozessen und Schnittstellen. Oft helfen bereits niederschwellige Anpassungen in Ticketingsystem, Besucherservices, Organisation der Guides und Reporting, um große Ergebnisse zu erzielen und ihrer Besucherbeziehungen nachhaltig zu prägen.
Wir freuen uns wie immer über Austausch zu diesem Thema! Kontaktieren Sie uns gerne auch zu erfreulicheren Themen!
